Vortrag in der Grundschule Lasfelde „Umgang mit sexueller Gewalt gegen Kinder“

 

In der vergangenen Woche fand in der Grundschule Lasfelde ein zweistündiger Vortrag zum Thema „Umgang mit sexueller Gewalt gegen Kinder“ statt, zu dem die Schule eingeladen hatte. Dem Referenten Rainer Ballnus vom Verein LINDD (Licht nach dem Dunkel) gelang es, seine sechzig interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern fundiert und umfassend über dieses sensible Thema zu informieren. Mehrmals an diesem Abend konnte Rainer Ballnus falsche Vorstellungen ausräumen.

Zum Beispiel kommt der böse, fremde Mann, der Kinder auf der Straße anspricht, prozentual eher selten als Täter vor. Überwiegend sind es dem Kind vertraute Menschen aus dem Familien- oder Freundeskreis, aus Freizeitangeboten und Vereinen. Dreimal häufiger als krankhaft pädophile Täter kommen Macht-Täter vor, die aus Lust an der Macht ihre Opfer quälen. Sehr deutlich wurde auch dargestellt, wie Eltern, Schule oder Kindergarten im Verdachtsfall handeln können. Ganz zentral ist es dabei, dem Kind ohne Zweifel zu glauben und ihm niemals eine Schuld oder Verantwortung für das Erlebte zu geben. Krisenpläne sollten in den Schulen und Kindergärten bestehen, um ein gezieltes und entschlossenes, aber besonnenes und ruhiges Handeln zu ermöglichen. Vernetzung mit Hilfe- und Unterstützungseinrichtungen ist dazu nötig. Unter den Teilnehmern waren auch Volker Hahn als Vertreter der Polizei in Osterode und Wolfgang Niemann als Leiter des Jugendkommissariats Northeim/Osterode/Einbeck. Wolfgang Niemann machte im Diskussionsteil die Erlasslage zur Zusammenarbeit der Schule mit der Polizei für Niedersachsen sehr deutlich: Es besteht für die Schule eine Mitteilungspflicht bei begründetem Verdacht einer Straftat, wozu alle Formen von Gewalt gegen Kinder gehören. Im Verlauf des Vortrages gab Rainer Ballnus den Eltern wertvolle Denkanstöße, um sexueller Gewalt vorzubeugen. Dazu müssen wir Erwachsenen Kindern helfen, ein gesundes Selbstbewusstsein zu erlangen. Ein „Nein“ des Kindes sollte dringend respektiert werden, wenn es zum Beispiel um ungeliebte Begrüßungsküsse und unerwünschtes Umarmen geht. Als besonders gefährdet gelten Kinder, deren Bedürfnis nach Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe im Elternhaus auf der Strecke bleibt. Darum sollten Eltern sich immer mal wieder fragen: „Wie oft weise ich das Bedürfnis meines Kindes nach Zuwendung und Nähe zurück, weil ich glaube, keine Zeit zu haben? Wie oft stärke ich mein Kind durch Lob? Weiß mein Kind, dass ich es liebe?“ Prävention kann Kindern helfen, nicht Opfer sexueller Gewalt zu werden.

 

Schulelternratsvorsitzende Carola Rosenthal und Schulleiterin Anke Schwarz dankten dem Referenten Rainer Ballnus für zweieinhalb bewegende, interessante Stunden.